William Marshall gründete 1848 in Gainsborough die Firma Britannia Iron Works, die später in William Marshall & Son umbenannt wurde. Anfangs wurden landwirtschaftliche Geräte, Sägebänke und Dampfmaschinen produziert. Die Firma entwickelte sich rasch und wurde 1862 in eine GmbH umgewandelt.
1907 begann Marshall mit der Produktion von sogenannten „Oil Tractors“, die vor allem für den Export nach Kanada, Australien und die USA bestimmt waren. Die Produktion wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem Marshall militärisches Material herstellte.
1928 entstand der erste Prototyp eines echten Dieseltraktors, der 1930 als Modell 15/30 vorgestellt wurde. Es folgten verbesserte Modelle wie der 18/30, der 12/20 und schließlich das Modell M. Der große Durchbruch gelang mit dem Field-Marshall, der ab 1945 produziert wurde und bis 1957 etwa 15.000-mal gebaut wurde. Besonders in Frankreich war dieser Traktor sehr beliebt.
Marshall erkannte die Grenzen der Einzylindertechnik und entwickelte den MP6, einen Traktor mit 6-Zylinder-Leyland-Dieselmotor. Trotz technischer Innovationen blieb der kommerzielle Erfolg aus – nur 197 Stück wurden produziert.
1947 fusionierte Marshall mit John Fowler & Co. Ltd. zur Marshall-Fowler Limited. Fowler spezialisierte sich auf Raupentraktoren, während Marshall weiterhin Radtraktoren baute. Die Produktion wurde später unter dem Namen Track Marshall fortgeführt.
1982 erwarb Charles Nickerson die Produktionsrechte für Leyland-Traktoren und baute diese unter dem Namen Marshall weiter. In den 1990er-Jahren übernahm Tom Walkinshaw das Unternehmen und produzierte unter dem Namen Track Marshall große Bulldozer und Raupentraktoren. 1992 verschwand die Marke endgültig vom Markt.
