Fendt & Co., Xaver

Vom Allgäu aus haben Fendt-Traktoren ihr Verbreitungsgebiet zuerst in Bayern und Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Europa und schließlich in der ganzen Welt gefunden.

Die Firma Xaver Fendt wurde 1892 gegründet, als sich die bisher von Franz Xaver Fendt und Theodor Fendt gemeinsam betriebene Firma (Bleizugmaschinen und Kirchturmuhren) auflöste. Ab 1897 stand Franz Xaver längst nicht mehr alleine in seiner Werkstatt. Vier der sechs Söhne hatten das väterliche Handwerk erlernt und unterstützten zumindest teilweise den elterlichen Betrieb.

Im Jahr 1898 übernahm der älteste Sohn, Johann Georg (1868 - 1933) den Betrieb, der Handwerk und eine kleine Landwirtschaft umfasste. Er führte das Unternehmen unter dem Namen "Xaver Fendt" weiter. Er erkannte beizeiten, dass sich anfangs des 20. Jahrhunderts die hohe Zeit des Kirchenausbaus dem Ende näherte und stattdessen die Mechanisierung zunahm. Johann Georg gliederte dem Betrieb einen kleinen Handel für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte an. Er verkaufte nun Sensen und Dengelgeschirre, leichte Pflüge und Eggen, später Grasmäher und Heuaufzüge. Wartung und Reparatur übernahm der Schlosser an den verkauften Geräten auch. Hinzu kam auch noch der Vertrieb von Deutz-Stationärmotoren.

Johann Georg hatte sieben Kinder, vier Mädchen und drei Jungen (Xaver, Hermann und Paul). Xaver und Hermann erlernten den Beruf des Schlossers- und Mechanikers. Xaver sammelte Erfahrungen bei anerkannten Motoren- und Maschinenbaufirmen wie BMW und Deutz (blieb bis 1930 in Italien), während Hermann in Markt Oberdorf blieb.

Der erste Schlepper wurde 1926 gebaut - noch mit einem Benzinmotor. Zu dieser Zeit war Hermann Fendt erst 14 Jahre alt und besuchte die Volksschule. 1927/1928 entstand der zweite Schlepper, diesmal mit einem Dieselmotor von Deutz: das legendäre "Dieselross".

Johann Georg Fendt verstarb 1933. Seine Witwe Kreszentia Fendt übernahm die Firmenleitung. Xaver Fendt kehrte aus Italien zurück und übernahm als angestellter Betriebsleiter die Verantwortung. 1937 nahm Kreszentia Fendt ihre beiden Söhne als Gesellschafter in die Firma auf. Ab diesem Zeitpunkt waren sie Mitinhaber des Unternehmens.  (Angaben zur Firmengeschichte bis 1937 stammen direkt von Nachfahren der Familie Fendt).

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verbot die Produktion der Diesel-Traktoren. Daraufhin stellte Fendt vorübergehend bis 1946 Holzgasschlepper her, um laufende Kosten decken zu können. Nach dem Ende des Krieges expandierte das Unternehmen ungewöhnlich rasch. Technische Systeme (Fendt-Einmann-System) wurde vom DLG ausgezeichnet und konnten sich in großen Stückzahlen in der Landwirtschaft durchsetzen. 50.000 Stück dieses Systems konnten bis 1980 verkauft werden; 100.000 Stück des Fendt-Schlepper gingen schon bis 1961 in den Vertrieb. Zu der Zeit beschäftigte Fendt 4.000 Mitarbeiter in verschiedenen Werken und produzierte überwiegend Traktoren und Geräteträger.

1982 gingen 7.700 Fendt-Traktoren in den Export, nach Frankreich, Italien, in die Niederlande, nach Saudi-Arabien, Schweden, Großbritannien und Australien – so viele wie nie zuvor. In dieser Zeit wurden immer feinere Unterschiede der Traktortypen in Serie produziert, um der immer differenzierteren Nachfrage Folge leisten zu können. Infolge dessen stieg Fendt in die Bearbeitung des Wein-, Obst- und Hopfenbaus ein. Auch die anderen Sektoren, wie beispielsweise der Caravanbau im Bereich Freizeitaktivität brachten hohe Gewinne. Fendt schaffte es in den 1980er-Jahren mit einem Marktanteil von 18,4 % zur Marktführerschaft im Bereich Schlepper. Weiterentwicklungen der Traktoren für den Obst- und Weinbau und Verbesserungen im PS-Bereich der „normalen“ Traktoren festigten Fendts stabile Position am oberen Ende des Marktes.

In den 1990er-Jahren standen große Veränderungen an. Während einer schwierigen Phase in den frühen 1990er-Jahren, wohl durch Fehlentscheidungen im Management ausgelöst, stand das Unternehmen zur Mitte des Jahrzehnts wieder auf gesunden Füßen, als die Gesellschafter, allesamt Nachfolger der Firmengründer, bekanntgaben, das Unternehmen verkaufen zu wollen. Das amerikanische Unternehmen Massey-Ferguson, das selbst kurz vorher erst an AGCO verkauft worden ist, erwarb 1997 Mehrheitsanteile an Fendt.

Zwar nicht mehr in Familienbesitz, doch nach wie vor noch sehr erfolgreich nimmt Fendt bis heute am Weltmarkt der Traktoren teil und konnte sich durch hohe Innovationskraft und Kreativität zum wichtigsten Segment von AGCO entwickeln.